Category Archives: Northern Westbank

Zababdeh

„Es ist unsere und eure Aufgabe, Gott in den Augen der Juden, der Muslime und der Christen zu finden.“

Jeden Sonntag besuchen wir in einer der christlichen Kirchen in den besetzten Palästinensischen Gebieten den Gottesdienst. An diesem schönen Sommertag erreichen wir nach einer längeren Fahrt durch die hügelige Landschaft südlich von Jenin das mehrheitlich christliche Dorf Zababdeh. Wir sind noch etwas zu früh und haben Zeit für einen Spaziergang durch das Dorf. Vor der Katholischen Kirche sind bereits viele sonntäglich gekleidete Kirchgänger versammelt. Einige Gassen weiter plaudern wir mit einer jungen Frau, die zum Gottesdienst in die Anglikanische Kirche unterwegs ist. Continue reading Zababdeh

*Leila aus Gaza

Ich traf Leila das erste Mal, als wir ihrem Chef, dem Bürgermeister, einen Besuch abstatteten. Sie fiel mir sofort auf, nicht nur weil sie so gut Englisch sprach, sondern auch weil sie irgendwie besonders war. Ich bat sie um ein Interview zu einem späteren Zeitpunkt. Sofort willigte sie ein. Wir trafen uns einige Wochen später, wieder in der Stadtverwaltung. Continue reading *Leila aus Gaza

School Run

Heute gab es beim “School Run”, der Begleitung von SchülerInnen zur Schule, einen Tränengaseinsatz. Angeblich hätten SchülerInnen am Tag vorher Steine vom Schulgelände aus geworfen. Steine werfen ist eines der schwersten Delikte hier, wobei Steine werfende SiedlerInnen weniger bis gar nicht bestraft werden. Vor einer Woche haben Steine werfende SiedlerInnen eine andere Schule derart angegriffen, dass die SchülerInnen aus Sicherheitsgründen evakuiert werden mussten. Als die Eltern ihre Kinder abholen kamen wurden sie von SoldatInnen mit Tränengas empfangen. Continue reading School Run

Frauenmeeting auf Palästinensisch

Wir, das weibliche EA Team, hatte die Frauen aus unserem Dorf auf Freitagnachmittag drei Uhr ins Dorfgemeindehaus eingeladen, zwecks besseren Kennenlernens. Sie selbst hatten Ort und Zeit vorgeschlagen.

Das Gemeinschaftshaus wird derzeit wenig beansprucht. Die NutzerInnen müssen es jeweils vor einem Meeting reinigen. Wir rückten also gut eine Stunde vor dem Meeting mit unserem Putzmaterial an. Schweissgebadet aber glücklich hatten wir es um 3 Uhr fast geschafft, die von uns benötigten Räumlichkeiten herzurichten. Wir hatten Tee zubereitet und Kuchen gebacken, denn ohne Süssigkeiten, läuft gar nicht, dass wussten wir inzwischen von unseren abendlichen Hausbesuchen. In freudiger Erwartung sassen wir im kühlsten Raum des Zentrums und warteten, eine Viertel- , eine Halbstunde. Nach einer Dreiviertelstunde assen wir unseren Kuchen und tranken dazu unseren Tee. Nach einer Stunde gaben wir auf. Es bestand wohl doch kein Interesse. Wir packten Putzzeug, Kuchenblech und Teekannen zusammen und gingen enttäuscht heim. Kaum angekommen klopft es an unsere Tür. Es ist unsere Nachbarin. Sie fragt, ob wir uns im Gemeindehaus, oder unter den Bäumen vor unserem Haus treffen wollen, wo schon eine Gruppe von Frauen wartete.  „Sorry“, entschuldigt sie sich, „bei uns ist es wichtig zu sagen, ob wir uns um drei Uhr Winter- oder drei Uhr Sommerzeit treffen. Drei Uhr ist jetzt im Sommer vier Uhr.“ Continue reading Frauenmeeting auf Palästinensisch

Arabisch lernen von Frau zu Frau in einem Dorf mit 2000 Schafen und 4000 Hühnern

Unsere Lehrerin ist hauptberuflich Schäferin. Nennen wir sie Mariam. Sie hat vor 20 Jahren angefangen ein Schaf gross zuziehen und jetzt hat sie eine Herde von 100 Schafen. Die meiste Arbeit, das heisst jeden Tag mit den Schafen vom Dorf auf die Felder ziehen, die Tiere tränken und melken, macht sie zusammen mit ihren Söhnen, die noch in der Ausbildung sind. Ihr Mann ist Gemüsebauer. Gemäss unserer Lehrerin ist er kein Fan von Schafen, aber er half ihr viel, als die Kinder noch klein waren. Jetzt ist er froh, wenn er nicht mehr jeden Tag mit den Schafen und Geissen losziehen muss. An manchen Tagen ist es dann doch nötig, denn ihre fast erwachsenen Kinder haben einen weiten Weg zur höheren oder zur Hochschule, sodass sie an den Schul- bzw. Uni-Tagen, den ganzen Tag unterwegs sind und nicht helfen können. Continue reading Arabisch lernen von Frau zu Frau in einem Dorf mit 2000 Schafen und 4000 Hühnern

Mit dem Bau Separation Barrier begannen die Probleme…

Morgens um 6 Uhr 15 öffnen die Soldaten das Tor an der Separation Barrier (Trennungsmauer) im Dorf Akkaba für die BäuerInnen, die zu ihrem Land in der Seam Zone wollen (Gebiet, das durch die Separation Barrier von der Westbank abgetrennt worden ist). Der Verkehr ist spärlich. Nur 11 Männer, 2 Schäfer mit ihren Schafen sowie zwei Traktoren passieren den Übergang. Schon länger hat uns unser Fahrer darauf aufmerksam gemacht, dass an diesem Übergang grosse Probleme mit den Bewilligungen bestehen. Um genaueres zu erfahren, sitzen wir am Abend mit dem Bürgermeister von Akkaba um einen Tisch vor seinem Haus. Auch er hat Land in der abgeschnittenen Seam Zone mit Olivenbäumen. Zudem pflanzt er Tabak an, der jetzt gebündelt zum Trocknen im Freien aufgehängt ist. Neben allerlei Geflügelarten sehen wir auch Unterstände mit Kühen und Schafen. Continue reading Mit dem Bau Separation Barrier begannen die Probleme…

Mit der mobilen Klinik in die Seam Zone (Gebiet der Westbank hinter der Mauer)

Heute morgen bringt uns unser Fahrer in die Stadt Qalqiliya zu Rabia, einer energischen, spontanen Palästinenserin. Sie arbeitet für die Palestinian Medical Relief Society, eine Palästinensische Gesundheitsorganisation, die 1979 von palästinensischen ÄrztInnen und KrankenpflegerInnen gegründet worden ist. Die ländliche Bevölkerung in abseits liegenden Gebieten wird regelmässig kostenlos über deren mobile Kliniken versorgt.  Continue reading Mit der mobilen Klinik in die Seam Zone (Gebiet der Westbank hinter der Mauer)

11. Mai 2018. Alltag in den besetzten palästinensischen Gebieten

Heute Morgen hat unser Fahrer die Nachricht erhalten, in Duma, einem Dorf südöstlich von Nablus im Westjordanland, sei erneut ein Brandanschlag verübt worden. Um 9 Uhr sind wir unterwegs Richtung Duma. Über uns wölbt sich der tiefblaue, wolkenlose Himmel. Unterwegs machen wir Halt bei einem Freund unseres Fahrers und sitzen schon bald in einem grossen Garten mit blühenden Geranien, inmitten von Oliven- und Feigenbäumen im Schatten in einem Kreis von Männern. Der Sohn serviert den feinen, typischen Tee, den die Mutter in der Küche zubereitet hat. Hier erfahren wir genaueres über die Vorgänge in der letzten Nacht. Gegen drei Uhr morgens war im Erdgeschoss eines Wohnhauses Feuer gelegt worden. Der Vater erwachte wegen des Rauches. Es gelang ihm, seine beiden Mädchen und seinen kleinen Buben aus den Betten zu holen und nach draussen in Sicherheit zu bringen. Continue reading 11. Mai 2018. Alltag in den besetzten palästinensischen Gebieten

„You are at anytime welcomed in my house.“

Nach einem langen Tag verabschieden wir uns von unserem Fahrer, steigen in Lower Yanun aus und folgen der schmalen Strasse Richtung Upper Yanun. Das ist unser heutiger Abendspaziergang. Mandelbäume säumen den Weg, deren Früchte noch nicht reif sind. Rechterhand eine Fläche mit zartgrünem Dill, zwei Greenhouses, ein Wohnhaus mit einer alten Frau, in einem der schönen traditionell bestickten Kleider. Jedes Dorf hatte seine eigenen Muster, habe ich mir sagen lassen. Zum Dorf hin wird die Strasse steiler, jetzt hört man bereits die Schafe und die Ziegen, das Krähen der Hähne und die gackernden Hühner, Tauben gurren, und die Spatzen zwitschern um die Wette. Dazwischen immer wieder schöne, uns unbekannte Vögel. Der eine Nachbar hat gestern den Boden der Terrasse vor seinem Haus fertig betoniert mit den Aussparungen für die Rebe und die Zitronenbäumchen. Jetzt arbeitet er an der Abschlussmauer. Mit der Mauerkelle streicht er den Pflaster auf die quadratischen Steine, und dann kann seine ältere Tochter den nächsten Stein versetzt anbringen. Sorgfältig schliesst er die Fugen. Daneben steht das vierjährige Töchterchen, schaut zu, mustert uns immer wieder neugierig und lächelt verschmitzt. „Come in, and drink coffee“, so die freundliche Einladung. Müde vom langen Tag bedanken wir uns herzlich. „Thank you, tomorrow, we will come.“ Continue reading „You are at anytime welcomed in my house.“

Erster Sonntag im Gebiet

Um 3 Uhr stehen wir auf und um 3 Uhr 15 fahren wir los Richtung elektronischer Durchgang, der morgens von 4 Uhr bis 7 Uhr geöffnet hat. Es ist kalt. Wir parkieren auf einem riesigen Parkplatz, ein Mann weist die Plätze zu. Überall hat es kleine Stände, an denen Proviant eingekauft werden kann. In der Regel tragen die Männer jedoch eine Plastikbox mit ihrem Essen mit. Die Reihen hinter den Gittern sind sehr lang. Man muss in Schlangenlinien durchgehen, bis man im Innern zum Bodyscanner, ähnlich, wie wir sie vom Flughafen her kennen, kommt. Mit erhobenen Händen geht man durch. Es fragt sich, wie sich dieses tägliche Scannen auf die Gesundheit auswirkt. Auch schwangere Frauen müssen durch diesen Scanner. Kranke, die zur Behandlung (z.B. Chemotherapie) nach Israel müssen, passieren auch den Durchgang. Continue reading Erster Sonntag im Gebiet