Category Archives: Jordan Valley

Unabhängigkeit

Im ruralen Bereich des Jordantals haben nach meiner Einschätzung die meisten Familien bei ihrer Behausung Strom durch Sonnenkollektoren. Die Sonnenkollektoren liefern den nötigen Strom für Kühlschrank und Ventilatoren und sind eine grossartige Unterstützung der lokalen Bevölkerung. Mehrere NGOs verteilen sie an die Beduinen und Bauern, die meisten Familien wissen nicht mehr, von welcher Organisation genau sie ihre Stromquelle bekommen haben.

Die Schulen im Jordantal wären ohne die ausländische Hilfe von EU, Schweiz oder Japan wohl kaum betriebsfähig. Überall hängen Schilder mit „In cooperation with“ Slogans. Dies ist von Wert, da Schulen, insbesondere Schulen für Beduinenkinder in Area C, oft vom Abriss durch die israelischen Behörden bedroht sind.

Continue reading Unabhängigkeit

Ode an das Schaf

Das Schaf (arabisch:  خروف; ‘charuuf’ lateinisch: Ovis) ist ein Säugetier, welches in fast jedem Land der Welt anzutreffen ist. Am bekanntesten ist wohl das Hausschaf, man findet es unter anderem im Jordantal des Westjordanlands.

Die Schafe im Jordantal sind sehr wertvoll. Die ansässigen Beduinen und Bauern verkaufen die Jungtieren und den Käse, den sie aus der Milch der Schafe gewinnen. Die Käseproduktion ist hauptsächlich Frauenarbeit. Die Milch wird mit Milchsäurebakterien versetzt, die erhaltene Masse wird in Tücher gewickelt, gepresst, neu eingewickelt und wieder gepresst und schliesslich in Salz gewendet, bevor der fertige Käselaib auf dem Markt verkauft werden kann; das Handgrosse Stück meist zu 4 NIS; etwa 1Fr.

Continue reading Ode an das Schaf

Arbeiten für die Anderen

Faiza ist Palästinenserin, 29 Jahre alt und ist im Jordantal geboren und aufgewachsen. Sie lebt mit ihren Eltern und drei Geschwistern in einer kleinen Wohnung am Stadtrand. Um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, arbeitet sie in einer jüdischen Siedlung in dem von Israel besetzten palästinensischen Gebiet. In einer Siedlung, die nach internationalem Recht nicht existieren dürfte. Solche Siedlungen gelten nach internationalem Recht als illegal, weil sie gegen die Vierte Genfer Konvention verstossen, die den Transfer der eigenen Bevölkerungen in ein besetztes Gebiete verbietet. Continue reading Arbeiten für die Anderen

Unterwegs mit den Hirten des Jordantals

Dhiab, Fausi und Ayman heissen die drei Brüder, die ich in den letzten Wochen jeweils zweimal wöchentlich bei ihrer täglichen Arbeit im Jordantal begleiten durfte. Die drei Männer gehören zu einer der Familien im Norden der West Bank, die ihren Lebensunterhalt als Hirten verdienen. Sie leben in einem sogenannten Khirbet (kleiner als ein Dorf) in Zelten, ohne fliessend Wasser oder sonstigen Luxus. Ungefähr einen Monat im Jahr verbringen die Brüder in der nächst grösseren Stadt, da es zu heiss ist und die Tiere in den Bergen kein Futter finden. Im September sind sie zurück in ihre Zelte gekehrt, wo sie nun für die nächsten Monate leben werden. Nun beginne der Winter und somit die beste Saison im Leben eines Hirten, lässt mich Dhiab wissen. Die Brüder haben ungefähr 600 Schafe und Ziegen, drei Esel und ein halbes Dutzend Hunde. Daraus gewinnen sie den Lebensunterhalt für ihre ca. 30-köpfige Familie. Die Idylle trügt allerdings. Bis zum Anfang dieses Jahres war auch noch einer der Cousins in der Gemeinde wohnhaft. Diesem wurden jedoch die ständigen Belästigungen durch die umliegenden Siedler und das Militär zu viel. Er hat seine Tiere verkauft und das Khirbet verlassen. Seit der israelischen Besatzung 1967 kämpft die Familie um ihr Land und ein Leben in Frieden. Sie mussten bereits einmal umziehen, da ihr Land als Naturreservoir deklariert wurde.

Continue reading Unterwegs mit den Hirten des Jordantals

Beduinen-Idylle und Kugeln im Kopf

Vor drei Jahren habe ich im Jordan Valley Team mitgearbeitet. Nun darf ich für 2 ½ Tage wieder neu eintauchen in die Realität des Jordan-Tals. Hier hat die israelische Besatzung ein anderes Gesicht als in Hebron und dementsprechend sind die Aufgaben des EAPPI-Teams auch verschieden. Wir besuchen Beduinenfamilien und gehen auch mit ihnen Schafe hüten. Der erste Tag beginnt früh, wir haben eine Stunde Autofahrt vor uns, bevor wir das kleine Beduinendorf Khirbet Samra erreichen. Wir werden schon erwartet und nach dem Begrüssungs-Kaffee wird uns ein reichhaltiges Frühstück serviert. (Brot mit Frischkäse, verschiedenen rohen Gemüsesorten und Pommes Frites). Danach geht es los, mit einer grossen Herde Schafe steigen wir den Berg hinauf. Während die Schafe friedlich weiden, haben wir Zeit, die Landschaft zu geniessen und uns zu unterhalten. Meine KollegInnen erzählen, dass es selten so friedlich bleibt wie an diesem Tag. Immer wieder kommen israelische SoldatInnen oder SiedlerInnen, die die Schäfer vertreiben wollen. Im Gebiet von Khirbet Samra hat es sowohl illegale israelische Siedlungen als auch Militär-Zentren. Deshalb sind wir mit dabei: Dass diese Kontakte friedlich bleiben. Das einzige grössere Ereignis an diesem Tag ist die Geburt eines Lämmchens. Völlig fasziniert schaue ich zu, wie das Mutterschaf das kleine Geschöpf trocken leckt. Auch der Esel kommt zu Hilfe und leckt mit. Und auch wenn das Lämmchen schon nach ein paar Minuten versucht, aufzustehen, wäre der Weg zurück doch zu weit. So packt es der Schäfer kurzerhand in die Satteltasche des Esels für den Rückweg. Das Mutterschaf weicht dem Esel nicht von der Seite, bis wir wieder im Beduinendorf angekommen sind und das Lämmchen wieder der Mutter übergeben wird. Continue reading Beduinen-Idylle und Kugeln im Kopf