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Fragmente zur Flüchtlingsfrage

Fragmente zur Flüchtlingsfrage in Palästina

Zwei Tage kann ich ausruhen im «Kloster der Seligpreisungen» in Emmaus-Nicopolis. Direkt neben dem Kloster liegt der Canada-Park, auch als Ayalon-Park bekannt. Der Park wurde 1973 errichtet auf den Ruinen des Dorfes Amwas (manchmal auch «Imwas» geschrieben). Ein Dorf von ca. 2000 EinwohnerInnen, die meisten MuslimInnen, aber auch ein paar christliche Familien. 1948 kam es unter jordanische Kontrolle. 1967 eroberte Israel das Dorf zurück, die AnwohnerInnen mussten fliehen, das Dorf wurde bis auf die Grundmauern zerstört. Die ehemaligen DorfbewohnerInnen leben heute verstreut, einige von ihnen haben sicher nach wie vor den Flüchtlingsstatus und leben in einem Flüchtlingscamp in Palästina oder einem der umliegenden Ländern. Kein Zeichen erinnert an Amwas, keine Gedenktafel, noch nicht einmal im «Museum» des Klosters ist das Dorf erwähnt. Es tut weh, zu sehen, dass das Andenken an das Dorf so völlig weggewischt wurde. Continue reading Fragmente zur Flüchtlingsfrage

Geburtstagsparty im «Käfig»

YAS, Youth against settlements, ist eine gewaltfreie Organisation für junge Menschen in der halb abgesperrten Zone in Hebron, «H2» genannt, in der wir arbeiten. Ich habe grosse Achtung vor dem, was diese Menschen auf die Beine stellen und mit wieviel Kraft und Mut sie sich einsetzen für ein friedvolles Ende der Besatzung, für die Zukunft der Kinder und Jugendlichen.

So freuten wir uns, als YAS uns einlud, an einer ganz besonderen Geburtstagsfeier teilzunehmen. Seit letzten Dezember ist Ahed Tamimi, eine junge Palästinenserin, im israelischen Gefängnis, weil sie einen israelischen Soldaten geohrfeigt und getreten hat.  Continue reading Geburtstagsparty im «Käfig»

“Auf beiden Seiten sind wir Opfer – ein Interview mit Hani Abuhaikal

Wir sind mit Hani Abuhaikel am Abend verabredet. Sein ältester Sohn Jamil holt uns am vereinbarten Treffpunkt ab. Schnell sind wir in ein lebhaftes Gespräch vertieft, während wir in Tel Rumeida den Berg hochsteigen. Zu meinem Erstaunen biegen wir links ab in Richtung illegale jüdische Siedlung und israelisches Militär-Camp. Hier sind eigentlich keine PalästinenserInnen erlaubt. Und auch uns wurde früher der Durchgang verboten mit dem Hinweis auf unsere EAPPI-Jacken. Zum Glück tragen wir die Jacken hier am Abend nicht, so gehen wir einfach am Checkpoint vorbei. Als wir schon ein paar Schritte in der Strasse drin sind, ruft uns ein israelischer Soldat zurück.

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Beduinen-Idylle und Kugeln im Kopf

Vor drei Jahren habe ich im Jordan Valley Team mitgearbeitet. Nun darf ich für 2 ½ Tage wieder neu eintauchen in die Realität des Jordan-Tals. Hier hat die israelische Besatzung ein anderes Gesicht als in Hebron und dementsprechend sind die Aufgaben des EAPPI-Teams auch verschieden. Wir besuchen Beduinenfamilien und gehen auch mit ihnen Schafe hüten. Der erste Tag beginnt früh, wir haben eine Stunde Autofahrt vor uns, bevor wir das kleine Beduinendorf Khirbet Samra erreichen. Wir werden schon erwartet und nach dem Begrüssungs-Kaffee wird uns ein reichhaltiges Frühstück serviert. (Brot mit Frischkäse, verschiedenen rohen Gemüsesorten und Pommes Frites). Danach geht es los, mit einer grossen Herde Schafe steigen wir den Berg hinauf. Während die Schafe friedlich weiden, haben wir Zeit, die Landschaft zu geniessen und uns zu unterhalten. Meine KollegInnen erzählen, dass es selten so friedlich bleibt wie an diesem Tag. Immer wieder kommen israelische SoldatInnen oder SiedlerInnen, die die Schäfer vertreiben wollen. Im Gebiet von Khirbet Samra hat es sowohl illegale israelische Siedlungen als auch Militär-Zentren. Deshalb sind wir mit dabei: Dass diese Kontakte friedlich bleiben. Das einzige grössere Ereignis an diesem Tag ist die Geburt eines Lämmchens. Völlig fasziniert schaue ich zu, wie das Mutterschaf das kleine Geschöpf trocken leckt. Auch der Esel kommt zu Hilfe und leckt mit. Und auch wenn das Lämmchen schon nach ein paar Minuten versucht, aufzustehen, wäre der Weg zurück doch zu weit. So packt es der Schäfer kurzerhand in die Satteltasche des Esels für den Rückweg. Das Mutterschaf weicht dem Esel nicht von der Seite, bis wir wieder im Beduinendorf angekommen sind und das Lämmchen wieder der Mutter übergeben wird. Continue reading Beduinen-Idylle und Kugeln im Kopf

Ilene – als amerikanische Jüdin im Einsatz mit EAPPI

Ilene war eine der ersten Kolleginnen, die ich in der Einführung in Jerusalem kennengelernt habe. Und sie machte mich neugierig: Wie kommt eine amerikanische Jüdin dazu, einen Freiwilligendienst als Menschenrechtsbeobachterin in den besetzten palästinensischen Gebieten zu machen? Ich habe sie befragt. (Auf dem Foto oben ist Ilene in der Mitte neben Enos aus Südafrika und Eva aus Schweden)

Ilene, danke, dass du für dieses Interview bereit bist. Kannst du mir zuerst ein wenig von deinem familiären Hintergrund erzählen?
Ich wurde 1949 in New York geboren. Meine Eltern waren sehr aktiv in der Synagoge und Israel war von zentraler Bedeutung für sie. Auch während meiner hebräischen Schulbildung waren Israel und der Holocaust  sehr wichtig . Der 6-Tage-Krieg war für mich traumatisch, ich war 18 zu dieser Zeit und “die Araber” waren nur Feinde für mich. Continue reading Ilene – als amerikanische Jüdin im Einsatz mit EAPPI

Rachel weint um ihre Kinder

Wir haben ein wenig Zeit in Bethlehem, Zeit um das Grab von Rachel zu besuchen. Rachel ist die einzige Patriarchenfrau, die nicht in Hebron bestattet ist, sondern in Bethlehem, direkt an der Mauer.

So machen wir uns auf in einer kleinen Gruppe. Zuerst müssen wir durch den Checkpoint auf die israelische Seite. Auch wenn ich so langsam Checkpoints gewöhnt bin, ist es immer wieder ein mulmiges Continue reading Rachel weint um ihre Kinder

Ein Versprechen einlösen

Gestern habe ich ein Versprechen gegeben, das ich heute sehr gern einlösen werde…

Es war ein gar nicht langweiliger Morgen auf dem Schulweg … Der Morgen begann wundervoll mit Sonnenschein. Am Checkpoint standen zwei israelische Soldaten, denen man ihre gute Laune schon von weitem ansah. Es ergab sich, dass wir nicht an unserem üblichen Ort standen, sondern ein wenig näher an den Soldaten, im Rücken eine israelische Siedlung. Continue reading Ein Versprechen einlösen