Kritische Selbstreflexion

Im Alltag als EAPPI Human Rights Observer wird man mit vielen Situationen des Missstandes der palästinensischen Bevölkerung konfrontiert. Als EA spricht man mit den betroffenen Personen, schreibt Berichte, leistet Aufklärungsarbeit. In unserer Gruppe sind wir vier junge Westeuropäer. Mich als offensichtlich privilegierter Mensch aus einem Erste-Welt Land der lokalen Bevölkerung gegenüber stehen zu sehen, ist nicht immer einfach. Zu klar zeichnet sich das alte Bild des mächtigen Europäers gegenüber dem lokalen wehrlosen Opfer ab. Zu stark widerspricht dieses Bild meinem eigenen Streben nach einer dekolonialisierten Welt.

Dies wird mir besonders bewusst, wenn ich als 25Jährige mit älteren Personen, welche in ihrer Gesellschaft eine ehrenvolle Stellung einnehmen, konfrontiert bin. Bin ich berechtigt, ihnen ihr Leben zu erklären? Ihre Geschichte niederzuschreiben und zu verbreiten, dies mit meinen eigenen Worten, meinen eigenen Gedanken und Eindrücken? Handelt sich die Geschichte immer noch um ihnen oder vielmehr um mich? Ich empfinde meinen Platz als unangemessen gross in diesem Konflikt, der nicht mein eigener ist. Dies lässt sich als internationaler Beobachter nicht ändern, jedoch empfinde ich es bereits als Teil der Lösung, sich diesbezüglich Fragen zu stellen, seine Position zu reflektieren.

© Michelle/PWS-EAPPI 2019

Michelle, Jordan Valley Team, April 2019

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