Unabhängigkeit

Im ruralen Bereich des Jordantals haben nach meiner Einschätzung die meisten Familien bei ihrer Behausung Strom durch Sonnenkollektoren. Die Sonnenkollektoren liefern den nötigen Strom für Kühlschrank und Ventilatoren und sind eine grossartige Unterstützung der lokalen Bevölkerung. Mehrere NGOs verteilen sie an die Beduinen und Bauern, die meisten Familien wissen nicht mehr, von welcher Organisation genau sie ihre Stromquelle bekommen haben.

Die Schulen im Jordantal wären ohne die ausländische Hilfe von EU, Schweiz oder Japan wohl kaum betriebsfähig. Überall hängen Schilder mit „In cooperation with“ Slogans. Dies ist von Wert, da Schulen, insbesondere Schulen für Beduinenkinder in Area C, oft vom Abriss durch die israelischen Behörden bedroht sind.

Vielen Kooperativen und Organisationen geht es nicht anders. Bewegungen zur Stärkung der Unabhängigkeit von Frauen stellen kleine Fabriken für Käse und Teekräuter zur Verfügung oder helfen den Bewohnern der noch immer bestehenden Flüchtlingslager von 1948.

Als EAs arbeiten wir eng mit dem Roten Kreuz, UNICEF und weiteren internationalen Organisationen zusammen, welche die lokale Bevölkerung unterstützen. Was bei diesem Bild jedoch verloren geht ist die Tatsache, dass durch die immerwährende ausserstaatliche Unterstützung jegliche potenzielle Eigenständigkeit eines palästinensischen Staaten unmöglich gemacht wird. Fällt beispielsweise die Unterstützung der Internationalen für die Frauenkooperativen aus, ist es durch die geringen Gewinne dieser Kooperativen nicht möglich, eigenständig zu funktionieren.

Die palästinensischen Gebiete sind Gebiete in konstanter Abhängigkeit von externer Hilfe. Psychologische Effekte für die Menschen, welche ihr ganzes Leben angewiesen sind auf Unterstützung und mit der Gewissheit leben, dass ihr eigener Staat nicht zur Selbsterhaltung fähig ist, können nur erahnt werden.

Doch ist es eine Lösung, diese finanzielle Unterstützung von internationaler Seite zu unterbinden? Nein, denn die sich unter Okkupierung befindlichen palästinensischen Gebiete sind durch Einschränkungen ihrer Wirtschaft durch die okkupierende Macht massiv an ihrer Entfaltung behindert. Frau Awadallah vom Ministery of National Economy erklärt, dass die Import und Exportkosten für Palästina dreimal höher sind als für Israel, da sich die Produkte jeweils die Checks und Steuern zweier Nationen- Palästina und Israel- unterziehen müssen. Ausserdem gibt es in der Westbank rund 500 Checkpoint, welche den Transport von Gütern massiv verlangsamt und verteuert. Ein weiterer, nicht zu vergessender Faktor ist, dass Güter oft über lange Zeiträume an den Grenzen „festhängen“. Die World Bank rechnete aus, dass Palästinas BIP mit der Aufhebung dieser Beschränkungen um rund 22% steigen könnte. Eine beeindruckende Zahl.

Die Okkupation Palästinas ist demnach nicht nur nach humanitären Gesichtspunkten problematisch, sie macht auch die wirtschaftliche Entfaltung eines Gebietes unmöglich (wobei hier keine Rede von Gaza ist, dessen Lange sich noch um einiges problematischer gestaltet), kreiert einen konstanten Kostenfaktor für internationale Organisationen und Industriestaaten und hält ein gesamtes Volk in einer finanziellen Abhängigkeit. Mehr Freiheit könnte weitreichende positive wirtschaftliche Auswirkungen mit sich tragen.

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