Ode an das Schaf

Das Schaf (arabisch:  خروف; ‘charuuf’ lateinisch: Ovis) ist ein Säugetier, welches in fast jedem Land der Welt anzutreffen ist. Am bekanntesten ist wohl das Hausschaf, man findet es unter anderem im Jordantal des Westjordanlands.

Die Schafe im Jordantal sind sehr wertvoll. Die ansässigen Beduinen und Bauern verkaufen die Jungtieren und den Käse, den sie aus der Milch der Schafe gewinnen. Die Käseproduktion ist hauptsächlich Frauenarbeit. Die Milch wird mit Milchsäurebakterien versetzt, die erhaltene Masse wird in Tücher gewickelt, gepresst, neu eingewickelt und wieder gepresst und schliesslich in Salz gewendet, bevor der fertige Käselaib auf dem Markt verkauft werden kann; das Handgrosse Stück meist zu 4 NIS; etwa 1Fr.

Die Schafe im Jordantal sind sehr hübsch. Sie weisen eine schwarze, braune oder weisse Färbung auf und dienen den Menschen als Fleisch und Milchlieferanten. Anders als in anderen Teilen der Welt wird die Wolle der Schafe nicht verwendet, die Tiere werden lediglich geschoren um sie von der Last des Fells zu befreien, welches kontinuierlich nachwächst. Schafe sind relativ einfach zu haltende Tiere, jedenfalls einfacher als Ziegen, welche- so die Information einheimischer Schäfer- eher ihren eigenen Kopf durchzusetzen versuchen als die sanftmütigen und leicht zu dirigierenden Schafe.

Die Schafe im Jordantal sind sehr fruchtbar. Sie können zwei Mal im Jahr Junge gebären. Während der Tragezeit werden die Tiere nicht gemolken, damit das Jungtier nach der Geburt sogleich Zugang zu der Milch der Mutter hat. Das Muttertier gebärt nach einer fünf bis sechsmonatigen Tragezeit ein bis zwei Jungtiere. Werden die schreckhaften Schafe während der Schwangerschaft jedoch in Panik versetzt, beispielsweise durch Attacken von israelischen Siedlern welche sie von den Feldern vertreiben auf denen die Tiere äsen, verlieren sie meist ihre Jungtiere. Dies ist leider ein oft zu beobachtender Vorgang, beispielsweise bei den Dörfern Mak hul oder Khirbet Samra.

Die Schafe im Jordantal sind sehr treu. Sie orientieren sich an den Rufen ihres Schäfers oder dem Verhalten des Leitschafs, welches im Jordantal meist durch das Tragen einer Glocke erkennbar ist. Sie reagieren jedoch auch auf Bewegungen von Menschen, Tieren (z.B. Hunden) oder Geräuschen wie sie z.B. während Militärübungen entstehen, etwa von Maschinengewehren oder Panzergranaten. Dies ist im Jordantal gang und gäbe. In diesem Fall reagieren die Tiere mit Stress, lautem Rufen und unkoordiniertem hin und herrennen.

Die Schafe im Jordantal sind sehr sozial. Sie leben gerne in grossen Herden und haben enge Bindungen innerhalb ihrer Familie. Sie gehen Freundschaften ein, tauschen Zärtlichkeiten aus, beschnuppern frisch geborene Jungtiere – oder werden von der Mutter durch einen Kopfstoss daran gehindert, wenn diese kein gutes Verhältnis zum jeweiligen Schaf hat. Dadurch, dass das Gebiet der im Jordantal ansässigen Gemeinden, aufgrund des Baus von israelischen Siedlungen und Militärbasen stetig schrumpft, sind die Beduinen und Bauern jedoch gezwungen, ihre Herden zu verkleinern, da diese sonst nicht mehr genügend zu fressen finden würden.

Die Schafe im Jordantal sind sehr naturverbunden. Sie ernähren sich von Frühling bis Herbst von den Gräsern und Pflanzen die sie auf den Wiesen finden. Im Winter essen die Schafe die von ihren Haltern angebaute Gerste, sofern diese nicht durch die während der Militärübungen durch die Felder fahrenden Panzer vollständig zerstört wurde. Auch dies ist ein Phänomen, welches täglich an vielen Orten im Jordantal anzutreffen ist.

Die Schafe im Jordantal sind sehr reisefreudig. Früher zogen die Schafe meist mit den Beduinen durch das Jordantal; dies machten ihre Halter, damit sich die Plätze, auf denen gelebt und welche beansprucht wurden, erholen konnten. Nun ist dies in den meisten Fällen durch Verbote der israelischen Behörden nicht mehr möglich; die Folgen sind stark beanspruchte Landstücke und kranke Tiere, da sich Bakterien und Krankheiten schneller verbreiten, wenn ein Platz nie geräumt werden kann. Immer mehr Schäfer verkaufen so ihre Tiere und ziehen in grössere Städte, um den Repressionen zu entgehen. Die wenigen die bleiben werden wohl die Letzten sein; die neue Generation drängt eindeutig in die Richtung des Verkaufs der Tiere; der beduinische Lebensstil, das Leben als Bauer bzw. Schäfer ist keine Option mehr für die Kinder der Schafhalter.

Das Schaf ist ein wunderbares Tier; es ist sanftmütig und treu. Im Volksglauben gilt es sogar als naiv. Es ist ihm zu wünschen, so merkt es vielleicht nicht, wie eine Ära im Westjordanland langsam zu Ende geht, wie das Jordantal seine letzten Schafherden zu verabschieden scheint.

Michelle, Jordan Valley Team, April 2019

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