Unterwegs mit dem Hebron-Team

Es hat die ganze Nacht durchgeregnet. Eigentlich wollten wir frühmorgens in die South Hebron Hills fahren um mit dem dortigen Team das bedrohte Beduinendorf Susyia zu besuchen. Aufgrund des schlechten Wetters verschiebt sich die Reise um mehrere Stunden. Wir fahren los, doch überall trifft man grosse Wasserpfützen an, was den Weg erheblich erschwert.

Endlich treffen wir auf die KollegInnen vom South Hebron Hills-Team und besuchen die Beduinenfamilien in ihren Zelten. 40% des ganzen Dorfes (inkl. Schule und Klinik) soll gemäss der israelischen Regierung zerstört werden. Die Bedrohung des Dorfes hat in der internationalen Presse Anklang gefunden und seither besuchen Menschen aus aller Welt Susyia um ihre Solidarität kund zu tun. Wir werden auf einen Tee eingeladen und sprechen mit den DorfbewohnerInnen über alles Mögliche. Die Zelte haben den Sturm schadlos überstanden und aufgrund des schlechten Wetter sammelt sich die ganze Familie in den warm gehaltenen Räumen auf. Kinder rennen barfuss umher und gar Katzen und Hühner halten sich in den Zelten auf.

Nach knapp zwei Stunden Aufenthalt fahren wir zurück ins Zentrum von Hebron wo wir an der sogenannten „Prayers Road“ teilnehmen. Um in die Altstadt (H2) zu gelangen müssen wir einen Checkpoint passieren. Die Soldaten lassen uns 20 Minuten warten, wollen unsere Pässe sehen –  sie wissen, dass wir EA’s sind.

Bei der „Prayers Road“ spazieren die Siedler jeden Freitagabend, zu Beginn des Shabbat, durch die Altstadt um in die Synagoge zu gehen. Alle 20 Meter stehen israelische Soldaten, die für deren Schutz garantieren. EA’s sollen die Szenerie beobachten und über Ereignisse berichten. Ein bizarres Bild. Ich sehe ein Siedlerjunge (ca. 14-16 Jahre) mit seinen Geschwistern mit Kampfhund und Sturmgewehr an uns vorbeiziehen. Die wenigen PalästinenserInnen, die man antrifft grüssen wir mit „Massa al-Khair“ und die vielen Soldaten und Siedler mit „Shabbat Shalom“. Man grüsst sich, lächelt sich zu und doch liegt eine unheimlich geladene Spannung in der Luft.

Ein sehr groteskes Schauspiel. Ich höre ein paar Palästinenser-Jungs Fussball spielen, spiele ein wenig mit und unterhalte mich mit ihnen. Ansonsten gleicht die Altstadt einer Geisterstadt.

Am nächsten Tag gehen wir zu viert in die Gemeinde Bet Ommar ausserhalb von Hebron wo wir zwei verschiedenen Familien besuchen, die mit unterschiedlichen Problemen konfrontiert sind. Entweder fehlt ihnen Strom oder sie werden von Siedlern und Soldaten belästigt. Ein Satz eines Familienvaters, der mir in Erinnerung bleibt: „We are not afraid of the Israelis, we are only afraid of God.“

Anschliessend besuchen wir den Frauenverein „Womans Association for charitable work“, die in der Gegend Frauen in ihrer Rolle fördert und sie versucht, in die Arbeitswelt zu integrieren. Frauen, denen es von ihren Männern aus nicht erlaubt ist, ihr Haus zu verlassen, erhalten beispielsweise Nähmaschinen, sodass auch sie eine Arbeit verrichten und ein Einkommen generieren können. Andere werden in der Gartenarbeit unterrichtet oder erhalten Sprachkurse. In vielen Fällen sind es gar die Frauen, die die Familie finanziell ernähren können, da viele Männer arbeitslos sind. Wir können von ihren selbstgemachten Konfitüren, Honig und Saucen probieren und schauen uns in ihrem Laden um. Besonders einProdukt bringt mich zum Schmunzeln.

Nicolas, Bethlehem

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